Unachtsamkeit und Perfektionismus

 In Allgemein, Experiment Ernährung

In meinem heutigen Beitrag geht es um eine Kleinigkeit. Doch sie zeigt sehr schön menschliches Verhalten bzw. Verhaltensmuster:

Wie ich bereits vor Kurzem berichtet habe, befinde ich mich zur Zeit in einem Selbstversuch und ernähre mich 100 Tage lang vegan. Ich habe mir dabei auch vorgenommen, auf gar keinen Fall eine Ausnahme zu machen. Und dann ist es passiert:

Die Unachtsamkeit

Corpus Delicti: Kaffeesahne

Stein des Anstoßes: 10 g Kaffeesahne

Ich hatte einen Termin bei meinem Steuerberater und er hat mir eine Tasse Kaffee angeboten. Die habe ich gerne angenommen, sie wurde serviert in einer schönen Tasse und auf der Untertasse waren die üblichen “Utensilien”: Löffel, Zucker und ein kleines Döschen Kaffeesahne. Gerne nehme ich da einen kleinen Schuss Milch mit in den Kaffee und genoss mein Heißgetränk.

Erst als ich schon längst wieder auf dem Heimweg war, bemerkte ich, dass ich ja ein tierisches Produkt in meinen Kaffee geschüttet hatte! Rein aus Gewohnheit. Nicht nachgedacht – schwupps ist es passiert.

Die Reaktion

Ich versuche einmal, meine Gefühlswelt, die sich in den ca. 10 Sekunden nach dieser Erkenntnis abspielte, zu beschreiben:

Zuerst ein “Oh”, ein kleiner Schreck, dicht gefolgt von einem “verdammt, ich wollte das doch nicht” und schließlich ein kurzes “ist mein Versuch jetzt kaputt”? Passend dazu bewegte sich meine rechte Hand klatschend an die Stirn und der Adrenalin-Spiegel stieg leicht an. Erst nach diesen 10 Sekunden ein leichtes Kopfschütteln, ein Lächeln und meine Atmung beruhigte sich wieder.

Der Perfektionismus

Was ist passiert? Mein Unterbewusstsein hat mich zweimal hinters Licht geführt. Zum ersten Mal, in dem ich die Milch in den Kaffee gab. Das war reine Gewohnheit. Und dann, als das Bewusstsein wahrgenommen hat, was das Unterbewusste mich hat “machen lassen”, wird wieder ein Programm in Schwung gebracht, nämlich das eines Antreibers: “Sei perfekt.”

Erst als auch darauf das Bewusstsein reagiert hat: “Hey, ein Steak hätte den Versuch zunichte gemacht, aber nicht 10g Kaffeesahne”, beruhigte sich mein Körper wieder.

Der Antreiber

“Sei perfekt!” ist ein sogenannter Antreiber. Andere sind z.B. “Sei stark!” oder “Sei schnell!”

Antreiber geben uns emotionale Impulse und schreiben uns Bewertungen vor, beispielsweise: “Wenn du nicht perfekt bist, bist du nicht gut.” Gleichzeitig kommt man in eine Stress-Situation. Von der Auswirkung her kann das auch zielförderlich sein, vieles gelingt alleine schon deshalb, weil man es ja perfekt machen möchte. Doch wie ist es auf Dauer? Ab wann wird der Antreiber nervig oder hat gar schlechten Einfluss auf Ihre Gesundheit?

Haben Sie unliebsame Antreiber?

Vielleicht kennen Sie ja auch solche inneren Antreiber bei sich selbst. Machen Sie einfach mal den Versuch:

Ergänzen Sie einen Satz wie: “Ich muss perfekt sein” mit den Worten “und bei Gelegenheit xyz erlaube ich mir eine 80%-Lösung.”

Sich etwas “weniger Antrieb” zu erlauben entlastet dann die Situation sehr.

 

Ich denke, ich werde das Thema in einem anderen Blog-Post aufgreifen, hat es doch viel mit unserem Glaubenssystem zu tun. Glaubenssystem? Nein, nichts Religiöses. Aber dazu bald mehr. Und wenn Sie der Meinung sind, Sie möchten einen Ihrer Antreiber in die Schranken weisen, gebe ich Ihnen gerne Unterstützung.

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