Fastenzeit – pro oder contra?

 In Allgemein

Alle Jahre wieder gibt es in den Medien die Diskussionen rund ums Fasten: Soll man fasten? Es herrscht ja kein Mangel und in die Kirche geht man ja auch nicht. Also warum? Und dann vielleicht ein Kollege oder Freund: “Ich trinke sechs Wochen lang keinen Alkohol”, um dann auf einer Geburtstagsfeier in der Fastenzeit doch ein Gläschen Sekt zu trinken: “Ja, dafür mache ich eine Ausnahme, jetzt darf ich.” Daraus ergeben sich für mich einige…

…interessante Fragen

  • Woher kommt der Eifer, über dieses Thema überhaupt zu reden, wenn es einem doch egal ist?
    Sogar Dieter Nuhr hat sich in einem Podcast auf WDR2 dazu geäußert – und mir damit den Anstoß für diesen Blog-Post gegeben.
  • Muss ich mich rechtfertigen, wenn ich sage, dass ich faste?
  • “Am Aschermittwoch ist alles vorbei.” Was konkret ist vorbei? Was bleibt?
  • Wenn ich nicht faste, warum beurteile ich dann Leute, die fasten?
  • Auf was verzichtet man beim Fasten am besten?
    Wenn ich sowieso keinen Alkohol trinke, ist das dann auch gefastet?
  • Wenn ich nicht faste, bin ich dann einfach Genießer?
  • Wenn ich betone, dass ich nicht faste, habe ich dann ein schlechtes Gewissen?
  • Muss fasten “weh tun”?

Ich finde es sehr spannend, wie emotional doch dieses Thema diskutiert wird und deshalb scheint Fasten auch eine Bedeutung zu haben. Daraus kann man sogar lernen:

Beispiel

Lassen Sie mich einmal etwas konstruieren: Max ist in einem christlich geprägten Kontext aufgewachsen. Zumindest als Kind ging er mit seinen Eltern noch jede Woche in die Kirche und Kirchen- und Gemeindeleben war ein wichtiger Ankerpunkt in seiner Jugend.

Max entscheidet sich dieses Jahr, nicht zu fasten, doch es fühlt sich rebellisch an, schließlich hat er bisher immer gefastet.

Kommen wir noch zu einem – ebenso konstruierten – Bekannten von Max, nämlich Moritz: Absolut großstädtisch und weltlich aufgewachsen, fernab von kirchlichen Aktivitäten. Als sich beide jetzt am Aschermittwoch trafen, erzählte Moritz freudestrahlend: “Ich faste. Sechs Wochen trinke ich keinen Kaffee.” Wie irritiert wird da wohl Max reagieren? Zumal er weiß, wie sehr Moritz einen guten Kaffee liebt.

Ein anderer Rahmen

Moritz meinte daraufhin: “Ich will nur mal wissen, was mir auch noch gut schmeckt und was ich sonst noch so zum Frühstück und im Büro genießen kann. Und wenn jemand fragt, warum ich keinen Kaffee mehr trinke, sage ich einfach, dass ich faste. Da kommen dann auch keine nervigen Rückfragen.”

Sie sehen, er nutzt “Fasten” komplett anders: Zum Entdecken von Neuem, um eine Wertigkeit zu prüfen, und als Argumentationshilfe für diese Aktion. Oder kurz: Er befindet sich mit dem Thema “Fasten” in einem komplett anderen Rahmen!

Was können Sie daraus lernen?

  • Die Dinge an sich, hier das Fasten, haben erst einmal keine Bedeutung. Wir geben die Bedeutung und das auch je nach Kontext, in dem wir uns befinden.
  • Es gibt einen Kontext, in dem Fasten leicht geht.
  • “Es” (hier das Fasten) darf leicht gehen.
  • Es gibt Motivationen “weg von” und “hin zu”. Max entscheidet “weg von Fasten und Verzicht”; Moritz entscheidet sich für “hin zu Fasten und Entdecken”. Welche Motivation wohl leichter fällt?

SalatUnd was kann Max machen, damit es ihm mit seiner Entscheidung, nicht zu fasten, besser geht? Wenn die Loyalität zu seinen Eltern und deren (christlichen) Werten wichtig ist, gibt es vielleicht andere Wege, das zu zeigen. Auch wäre es besser, etwas zu finden, was das Nicht-Fasten positiv, also “hin-zu” beschreibt. Doch darüber werde ich ein anderes Mal schreiben.

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen eine genussvolle Fastenzeit und hoffe, dass mein Salatbild Inspiration für leckeres Essen ist, frei von Verzicht und Reuegefühlen.

 

 

Recommended Posts