Vegane Halbzeit

 In Experiment Ernährung

Vor 50 Tagen habe ich mit meinem Ernährungs- und Kommunikations-Experiment angefangen. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz:

Die meisten Fragen

Das waren mit die häufigsten Fragen und achten Sie doch mal auf die “Grundhaltung” der Fragenden:

  • Findest du denn da genug zu Essen?
    Die Antwort ist einfach: Ja. Es gibt nur weniges, das ich richtig “ersetzen” muss. In dem Hefezopf auf dem Beitragsbild ist ein Eiersatz drin, damit der Teig besser hält. Und Wasser statt Milch. Geschmacklich natürlich ein wenig anders (viele würden den Unterschied wohl nur im direkten Vergleich erkennen), und der Hefezopf-Essgenuss ist genauso da.
  • Ist die Auswahl nicht zu klein?
    Ja, die Auswahl ist kleiner und sie reicht. Im Gegenteil, ich bin sogar froh, dass ich vieles nicht mehr in der Auswahl zu beachten brauche. Das macht das Einkaufen leichter.
  • Ist das nicht kompliziert, wenn du unterwegs bist?
    In 90% aller Fälle ist das kein Problem. Bis jetzt hat noch jede Küche mindestens einen Salat mit Essig-Öl-Dressing servieren können. Im Gegenteil, ich bin bei vielen Restaurants überrascht, dass Sie etwas anbieten konnten. Dazu gleich mehr.
  • Für mich wäre das nichts. Ich brauche mein Fleisch.
    Ohne es auszuprobieren, würde ich das nie behaupten wollen. Selbst fleischverwöhnte Freunde staunen über das, was ich in meiner Küche schon gekocht habe.

Auch wenn man es ihm nicht ansieht: Dieser Hefezopf ist vegan – und lecker!

Haben Sie gemerkt, was ich mit “Grundhaltung” meine? In allen diesen Fragen steckt eine Vorannahme von “Problem”, wenn sich jemand anders ernährt als man selbst. Es scheint mir, dass beim Thema “vegane Ernährung” sehr schnell auf vorgefertigte Bilder zurückgegriffen wird. Anders kann ich es mir auch nicht erklären, warum es Brotaufstriche gibt, die als vegetarisch deklariert sind, obwohl sie sogar vegan sind. Je nach Kontext, verkauft sich wohl “vegetarisch” besser als “vegan”.

Dagegen haben fast nur Menschen, die selbst einmal mit Ernährung experimentiert hatten, mich relativ neutral gefragt, wie es sei und es mir in diesem Experiment ergeht.

Das eigene Weltbild hinterfragen

Die Reaktionen auf mein Experiment zeigen sehr schön, in welchen “Grenzen” bzw. mit welchem Glaubenssystem wir uns bewegen. Solche Grenzen haben durchaus ihr Gutes: Überall dort, wo es auf schnelle Reaktionen ankommt, erledigen sie ganz wunderbar ihre Aufgaben, zum Beispiel im Straßenverkehr: “Rote Ampel = Stehenbleiben, sonst Gefahr durch andere Autofahrer”. Kaum ein Autofahrer überlegt sich das bewusst, es würde viel zu lange dauern.

Und dann gibt es die Situationen, da ist der “eingefahrene Pfad” quasi asphaltiert und mit Leitplanke versehen; erkennbar an Aussagen wie diesen:

  • “Das habe ich / das haben wir immer schon so gemacht.”
  • “In meiner Familie kann das niemand.”
  • “Das geht doch gar nicht.”
  • “Ich kann das nicht.”
  • “Das ist halt so.”

Wenn Sie also Veränderungen in Ihrem Leben wünschen, dann ist es eine Möglichkeit, das eigene Bild der Welt zu hinterfragen. Dazu möchte ich Sie einladen:

Eingefahrene Denkweisen hinterfragen

  • Achten Sie auf Ihre Gedanken und darauf, wann ein Satz wie in der Liste oben seinen Weg ans Tageslicht sucht. Keine Sorge, jeder Mensch trägt solche mit sich herum :-).
  • Nur für den Fall, dass Ihnen das nicht gelingt: Achten Sie in Ihrem Umfeld darauf: Wer nutzt welche Generalisierungen? Das Wort “immer” ist ein möglicher Hinweis darauf.
  • Sobald Ihnen etwas aufgefallen ist, dürfen Sie diese Aussage hinterfragen, z.B. mit: “Wirklich immer?” oder einfach nur: “Ach was, wirklich?” Es bleibt dann bei Ihnen, ob Sie an der Aussage festhalten – sie kann ja sinnvoll sein – oder nicht.
  • Bitte denken Sie daran, dass alle inneren Regeln, mit denen wir arbeiten, einen Kontext haben oder hatten, in denen sie sinnvoll sind. Auch das dürfen, ja, sollten Sie würdigen.

Bei Bedarf unterstütze ich Sie natürlich auch in einem persönlichen Coaching oder im Rahmen eines Seminars damit.

Die besten Erfahrungen

Noch einmal zurück zu meinen veganen Erlebnissen. Ich habe nämlich gerade in Restaurants sehr gute Erfahrungen gemacht:

  • In einer Pizzeria hat sich der Kellner gefreut, dass er mir mit einer Pizza Vegetaria ohne Käse eine Freude machen konnte.
  • In einem für seine Steaks bekannten Restaurant hat sich die Bedienung die Mühe gemacht zu prüfen, worin die Bratkartoffeln gebraten werden. War leider Schweineschmalz, doch sie hat darauf extra geachtet.
  • In einem reinen Burger-Restaurant hat es einen veganen Burger auf der Speisekarte. Auch dort fragte ich nach dem Öl, in dem die Pommes gemacht wurden. Mir wurde sogar ein leerer 10-Liter-Kanister gezeigt. Es war Rapsöl. (Und ja, das war zwar am Ende vegan, doch nicht unbedingt gesund. Ich weiß.)
  • Und da war das durch und durch schwäbische Restaurant am Rande der schwäbischen Alb. Meine Annahme war, dass es dort nur schwäbische Hausmannskost gibt. Entweder mit oder in Bratensoße.
    Auf meine Frage, was außer dem einfachen Salat die Küche noch bieten würde, verschwand die Kellnerin in die Küche und kam mit drei Vorschlägen zurück, was die Küche noch kochen könne. Damit habe ich nun gar nicht gerechnet.

Mit solchen Erfahrungen fällt es wirklich leicht, sich gerne positiv überraschen zu lassen.

Recommended Posts