100 Tage satt!

 In Experiment Ernährung

Es ist vollbracht! 100 Tage habe ich mich vegan ernährt – und es ist mir gelungen. Sehr gut sogar – und das beziehe ich jetzt nicht nur darauf, dass es mir beim Kochen gelungen ist, sondern vor allem bei der Kommunikation mit Freunden, Verwandten und in Restaurants.

Tatsächlich hat sich seit meinem Halbzeit-Bericht gar nicht so viel verändert. Ich hatte in einem Restaurant eine sehr nette Unterhaltung mit der Kellnerin, die mir nach dem Essen gestand:

Mein erster Gedanke war: “Was will der denn hier bei uns?” Wir haben doch gar nichts Veganes. Doch als Sie so ganz sicher rüberbrachten, dass irgendetwas möglich ist, habe ich dann doch gerne in der Küche gefragt. Und überhaupt, sie wirken so fröhlich.

Ja, es gab “nur” Salat und eine Portion frittierter Kartoffelstangen, doch was mir wichtiger war: Es war möglich! Schließlich war ich mit einer Freundin dort und es ging darum, gemeinsam zu essen.
Dass ich so fröhlich wirkte, verdanke ich wohl meiner Zuversicht, dass auch dieses Restaurant mir etwas anbieten kann; und so war es dann ja auch.

Rückblickend denke ich, dass dieser Versuch durchaus taugt, sich in Selbstbehauptung zu üben: Je selbstverständlicher ich mit meiner inneren Haltung aufgetreten bin, desto einfacher ist mir die Kommunikation mit anderen gelungen und desto leichter erreichte ich mein Ziel.

Was habe ich aus 100 Tagen vegan essen gelernt?

Carbonara vegan

Mein Abschluss am 100. Tag: vegane Spaghetti Carbonara

Ein Freund hat mich gefragt, was denn die drei größten Lehren sind, die ich aus diesem Selbstversuch ziehe.

  1. Ich war überrascht, dass ich so gut wie nie etwas vermisst habe. Nur ein einziges Mal stieg mir verlockend der Geruch von Fleischkäse in die Nase, doch ich blieb stark :-). Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ohne weiteres auf Fleisch verzichten kann. Doch statt zu sagen: “Ich kann nicht ohne Fleisch”, würde ich es heute lieber so formulieren: “Ich kann nicht ohne Fleischgeschmack.”
    Mein quasi Abschluss-Essen (siehe Bild: vegane Spaghetti Carbonara) war deshalb so gut, weil ich gewürfelten Räuchertofu angebraten habe. So kamen Rauch- und Röst-Aromen ins Essen.
    Finde heraus, was etwas erstrebenswert macht. Vielleicht ist der bisherige Lösungsweg nur ein sehr, sehr gut geübtes Verhaltensmuster.
  2. Während Restaurants sehr gut mit meinen veganen Wünschen umgehen konnten, hatte ich in Cafés mehr Probleme. Wenn es nicht gerade ein alternatives Café ist, gibt es da oft nichts Veganes zu essen. Als ich dann mit Freunden in einem Café saß, bei dem ich nur eine Tasse Tee trinken konnte, während ich allen beim Sahnetorten-Essen zuschauen musste, war ich doch sehr genervt. Als ich mich wieder beruhigt hatte, fragte ich mich, warum eigentlich? Erst da wurde mir klar: Es ging mir nicht darum, überhaupt etwas zu essen. Ich hatte vielmehr das Bedürfnis, mit den anderen gemeinsam zu essen.
    Finde heraus, was wirklich Dein Bedürfnis ist. Dann finden sich auch ganz andere Lösungswege.
  3. Ein Bekannter erzählte mir, dass er auch einmal versucht hat, vegan zu essen, doch er hat das wieder aufgegeben. Wenn er durch einen Supermarkt ging, sah er überall “Verbotsschilder” an all den Sachen, die er nicht mehr kaufen durfte. Ich selbst empfand diese Einschränkung eher als angenehm, weil ich nicht mehr ganz so viel auswählen musste.
    Auch wenn ich mir mit meinem Selbstversuch die Grenzen selbst auferlegt hatte – oft sind ja Handlungsspielräume von anderen oder von außen eingeschränkt – bleibt mir immer noch die Wahl, mich innerhalb dessen so kreativ zu bewegen wie ich möchte.
     Bejammere nicht, was unabänderlich ist, sondern finde kreativ Möglichkeiten, Deinen Wünschen und Bedürfnissen nachzukommen.

Und jetzt: weiter vegan?

Die letzten 100 Tage haben mir auch kulinarisch eine neue Welt eröffnet und ich werde das gerne in meiner eigenen Küche und überall dort, wo der Spaß beim (veganen) Essen gegeben ist, anwenden und leben.

Vegan oder nicht, ich entscheide immer für mich, für meinen Körper, für mein Wohlbefinden, für meinen Genuss und für meine Gesundheit; denn für all das ist nur einer zuständig: ich selbst.

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