Resilienz – Manches ist halt so

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Heute schreibe ich über die zweite Grundhaltung für ein resilientes Verhalten: die Akzeptanz. Dabei fällt mir ein altes Gelassenheitsgebet ein, das dem US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Genau mit dieser Weisheit möchte ich beginnen:

Wirkungskreis

  • Überlegen Sie sich eine Situation, die Ihnen Stress bereitet. Versuchen Sie, diese Situation in kleine Stücke zu zerteilen. (Beispiel folgt)
  • Schreiben Sie jeden dieser Teile auf einen Zettel. Sie werden diese gleich in einem Zimmer verteilen.
  • Stellen Sie sich jetzt in die Mitte eines Zimmers. Dort, wo Sie jetzt stehen, ist quasi das Zentrum. Wenn Sie dort einen Zettel hinlegen, dann bedeutet das, dass Sie für diesen Punkt die volle Kontrolle haben. Es liegt dann also an Ihnen, ob Sie hierfür etwas unternehmen oder nicht.
    Legen Sie dagegen einen Zettel weiter von sich weg, dann bedeutet das, dass Sie noch Einfluss darauf haben.
    Wenn Sie den Zettel dann ganz weit weg legen, bedeutet das, dass Sie gar keinen Einfluss mehr darauf haben. Die Grafik zeigt das symbolhaft an.
  • Verteilen Sie nun die Zettel um sich herum. Je näher ein Zettel liegt, desto mehr Einfluss haben Sie darauf.

Mit dieser Übung wird sehr schön klar, dass es im Rahmen einer stressigen Situation Dinge gibt, die sich ändern lassen, und solche, die man hinnehmen darf. Das ist eine gute Möglichkeit, um nicht in einer Art “Schockstarre” zu verharren und wieder Möglichkeiten für sein Handeln zu entdecken.

Wirkungskreis

Was kann Tim daraus lernen?

Als Beispiel hatte ich die Geschichte von Tim erzählt. Wenn wir seine akuten Stressoren sortieren, entdecken wir, dass er für Verschiedenes die Kontrolle hat, z.B. dass er etwas bearbeitet (oder nicht), dass er ans Telefon geht (oder nicht) usw.
Doch es hat den Anschein, dass er Hilfe benötigt, zu priorisieren. Es liegt in seinem Einflussbereich, darum zu bitten. Ja, er hat sogar Einfluss auf seinen Chef; mit den richtigen Worten könnte er um einen besseren Umgangston bitten.
Und es gibt auch Teile, auf die er keinen Einfluss hat: Das Projekt und die Arbeit an sich sind da, das kann er lediglich hinnehmen.

Eine Sonderform der Akzeptanz: die Selbstakzeptanz

Sicherlich nicht ganz einfach ist diese besondere Form der Akzeptanz zu lernen, nämlich sich selbst zu akzeptieren. In Tims Situation wäre es wenig hilfreich, wenn er mit sich selbst hadern würde. Daraus folgt entweder eine Entschuldigungshaltung (“ich kann das leider nicht”) und in der Folge vielleicht sogar eine Abwertung der eigenen Person (“ich bin zu blöd dazu”). Die Wirkungskreise dagegen können Tim helfen zu erkennen, worin er gut ist, und worin er Schwächen hat oder Hilfe braucht.

Doch was ist mit den wirklich unabänderlichen Dingen?

Geduld, Geduld

Resilienzhaus2Paaren wir die Akzeptanz mit dem bereits gelernten Optimismus, dann entsteht Geduld. Akzeptieren bedeutet dann, dass etwas auch Zeit benötigen darf. Akzeptieren heißt, nicht nur zu fragen, was man tun könnte, sondern auch zu fragen, was man lassen oder gar loslassen könnte.

Und jetzt bitte ich Sie um Geduld – bis nächste Woche, dann geht es mit der dritten Grundhaltung weiter.

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