Resilienz – Den Koffer packt man für ein Ziel

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Heute schreibe ich über die dritte Grundhaltung, die ein resilientes Verhalten auszeichnet: Die Lösungsorientierung.

Kommen wir zu meinem Beispiel zurück von Tim mit seinem überfüllten Schreibtisch. Was würde er wohl mit den Kollegen beim Mittagessen oder in der Kaffeeecke besprechen?

Das ist ja zu viel.
Was denkt sich mein Chef denn nur dabei.
Das geht doch gar nicht.

(usw.)

Worauf liegt bei solchen Gedanken der Fokus? Auf dem Problem oder auf der Lösung?

  • “Das ist ja zu viel.”
    Tim beschreibt nicht nur einen Fakt, sondern er gibt diesem Fakt auch noch eine Bewertung. Durch diese Bewertung schiebt Tim den Fakt, dass es viel zu tun gibt, in Richtung Problem.
  • “Was denkt sich mein Chef denn nur dabei.”
    Auch dieser Gedankengang wird ihm nicht helfen, einer Lösung näher zu kommen. Selbst wenn er die Gedanken seines Chefs lesen könnte, würde ihm das keine Lösung präsentieren. Vielleicht denkt sich der Chef auch einfach nichts dabei oder hat selbst sehr viel auf dem Schreibtisch liegen? Der Einfluss auf die Gedanken des Chefs ist jedenfalls relativ gering (siehe Beitrag über die Akzeptanz).
  • “Das geht doch gar nicht.”
    Auch diese Aussage ist ganz im Feld des Problems. Darüber hinaus darf man sich sogar darüber wundern, woher Tim diese Sicherheit hat, es würde nicht klappen.

Viele kennen genau solche Aussagen, die sich ausschließlich mit dem Problem beschäftigen. Gerne stimmen Kollegen sogar in einen Chor ein und wer am lautesten jammert, hat vermutlich gewonnen. Und dann stellen Sie sich Tim vor, wenn er – ganz im Sinne der Lösungsorientierung – sagen würde:

Auch wenn ich keine Ahnung habe, was mein Chef sich dabei gedacht hat, und es sehr viel Arbeit ist, finde ich etwas, das mir hilft, meine Aufgaben zu erledigen.

Ganz sicher werden die meisten Kollegen Tim sehr argwöhnisch anschauen; nach außen wirkt es ja schließlich so, als wäre er mit der vielen Arbeit einverstanden und wolle sich beim Chef “einschleimen”. Dieser Gedankengang ist tatsächlich beim Leben von Lösungsorientierung wichtig! Gerade hierbei können Sie sehr leicht mit einer Unternehmenskultur anecken. Doch Tim kennt dieses Spiel und hält sich einfach fern von den Jammer-Kollegen.

Lösungen entwickeln

Der erste und sicherlich auch der “beliebteste” Lösungsweg in stressigen Situationen: Mehr vom Gleichen machen, hier also wohl Überstunden schieben. Das kann funktionieren, doch in Tims Beispiel ist das wohl keine dauerhafte Lösung. Tim braucht einen kreativeren Weg. An einem Abend macht er einen ausgedehnten Spaziergang durch den Wald und bringt sich in einen Zustand, in dem auch verrückte, abenteuerliche oder verwegene Ideen geboren werden können. Er stellt sich unter anderem solche Fragen:

  • Was würde eine Lösung beinhalten? Wann wäre die Lösung zu 50%, zu 70%, zu 90% oder voll und ganz erreicht?
  • Was wäre denn bereits möglich, wenn er doch so weiterarbeiten würde, wie bisher?
  • Was würde Superman in so einem Fall machen? Oder seine Mutter? Und wie würde Bruce Willis handeln, wenn er gerade sich und die Welt wie in einem seiner Actionfilme gerettet hätte?
  • Was könnte Tim vielleicht tageweise einfach ausprobieren, um herauszufinden, was zum Gelingen beiträgt?
  • Was hat früher schon einmal in ähnlichen Situationen geholfen?
Resilienzhaus3

Je mehr Möglichkeiten Tim für sich entdeckt, desto mehr Wahlmöglichkeiten hat er und erreicht damit mehr Flexibilität – und zwar weg vom Problem und hin zur Lösung.

Ich habe diesen Artikel mit “Den Koffer packt man für ein Ziel” überschrieben. Wer sich im Problembereich aufhält, packt Dinge ein, die zum Problem gehören. Wenn die Reise dann losgeht, wohin geht sie? Zum Problem. Packen Sie dagegen Dinge, also Möglichkeiten, für eine Lösung ein, beginnen Sie Ihre Reise zur Lösung.

Gute Reise und bis nächste Woche. Dann entwickeln wir die erste von vier Fähigkeiten.

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