Resilienz – Sich räkeln und regeln

 In Allgemein, Resilienz

Nach den drei Grundhaltungen widmen wir uns heute der ersten Fähigkeit, um resilient zu sein. Es geht darum, sich selbst zu regulieren und damit wirken zu können. Geht das denn? Kann man das lernen? Was reguliert man denn?

Bereiche der Selbstregulation

Selbstregulation findet in verschiedenen Bereich statt:

Anspannung und Ruhe

Betrachten wir das Leben doch einmal sportlich, wie ein Athlet, der trainiert. Was macht der? Der trainiert seine Sportart, macht Muskel- und Ausdauertraining usw. Und nach dem Training gönnt er sich Ruhe, damit die Regeneration einsetzen kann (deshalb das “räkeln” in der Überschrift :-).

Natürlich gilt das auch für Nicht-Sportler! Es gibt die Anspannung, beispielsweise in Form eines stressigen Arbeitstages, als auch die Ruhe und Erholung in allen möglichen Formen: leichte Bewegung, ein Abendessen im Kreis der Familie, ein Gespräch mit Freunden, ein Kino- oder Theaterbesuch usw. Alles Dinge, die man gerne macht und die einem Kraft geben.

Emotio trifft Ratio

In diesem Bereich geht es um die Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können. Für gute Entscheidungen erhalten wir zweimal ein “ja” von unserem Körper: Der Kopf und damit Verstand ist einverstanden und das Bauchgefühl gibt uns, nicht immer gleich deutlich, auch sein OK. So fallen uns Entscheidungen leicht.

Dem Stress selbstwirksam begegnen

Resilienzhaus4Erinnern wir uns wieder an Tim, den Angestellten aus meinem ersten Resilienz-Post in diesem Blog. Was passiert mit ihm, wenn die stressige Phase länger dauert?

Tim kommt also sehr gut in die Anspannung, doch für die Ruhe ist keine Zeit mehr. Viel schlimmer: Es kann sogar sein, dass das, was er bisher gemacht hat, um sich zu erholen, nicht mehr wirkt. Spätestens dann ist der Zustand so kritisch, dass er Hilfe in Anspruch nehmen sollte, weil die Selbstregulation nicht mehr funktioniert. Der Körper ist im Dauerstress und das kann neben der Burnout-Gefahr auch körperliche Beeinträchtigungen erzeugen, von Magenschmerzen bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen.

Doch ich gönne Tim in diesem Beispiel, dass er vorbereitet ist. Auch wenn er auf das ein oder andere am Abend verzichtet, weil er länger im Büro ist, seine täglichen 15 Minuten Meditation am Morgen bleiben Bestandteil seines Tagesablaufs. Diese Fähigkeit hilft ihm, auch tagsüber immer wieder mal “runterzukommen”, wenn es gerade sehr hektisch wird.

Mit der Meditation übt er sogar noch etwas anderes, nämlich sich selbst und seinen Körper wahrzunehmen. Diese Eigenwahrnehmung ist für die Entscheidungen wichtig, die er im Job und auch privat treffen muss. Denn unter Stress wandern viele in eine der beiden Richtungen: Die eher emotionalen reagieren dann impulsiv. Eher Ratio-gesteuerten Menschen versuchen sich in der Selbstkontrolle, was zu übermäßigem Grübeln führen kann, da die emotionale Komponente für Entscheidungen fehlt.

Durch Üben Gewohnheiten schaffen

Damit Sie in einer stressigen Situation Reaktionsmöglichkeiten abrufen können, üben Sie diese am besten dann, wenn Sie dafür Zeit und Geduld haben. Wie wäre es hiermit?

Selbstwirksamkeit üben für Ruhe und Erholung

  • Notieren Sie sich, was Ihnen Kraft bringt und Sie stärkt:
    • außerhalb des Jobs
    • und auch im Job
  • Überlegen Sie sich, was davon Sie bei Zeitknappheit immer noch machen können.
    • Was davon wirkt am besten?
    • Welche “Aktivität” ist sehr einfach zu erreichen? Länger schlafen ist vielleicht einfacher als ins Theater zu gehen.
    • Gibt es etwas, das auch mit wenig Zeitaufwand machbar ist?
  • Falls möglich, machen Sie daraus Gewohnheiten, indem Sie täglich etwas für Ihre innere Kraft unternehmen.

Selbstwirksamkeit üben für ein gutes Zusammenspiel von Emotio und Ratio

  • Wenn Sie eher der “rationale” Typ sind:
    • Achten Sie darauf, kreative Dinge in Ihrem Alltag zu haben: Belletristik lesen, kochen, malen, singen, schreiben, im Wald spazieren gehen, mit allen Sinnen etwas wahrnehmen, usw. Es ist wichtig, wie sie es tun, nicht was sie tun. All diese Tätigkeiten dürfen auch einen tagträumerischen Charakter haben.
  • Wenn Sie eher der “emotionale” Typ sind:
    • Schaffen Sie Distanz zu Ihren Gefühlen, insbesondere zu schnell “hochkochenden”. Stellen Sie fest, bei welchen Situationen Sie z.B. schnell wütend werden. Setzen Sie sich dann imaginär in einen Kinosaal und betrachten die Szenerie, als würde sie auf der Leinwand gespielt werden.
    • Wenn Sie merken, dass Sie impulsiv reagieren wollen, erlauben Sie sich ein: “Darüber möchte ich noch einmal nachdenken.” Das ist auch bekannt unter: “noch einmal darüber schlafen.” Oft reicht schon eine Minute, um den emotionalen Impuls mit auch rational zu beurteilen.

Notieren Sie sich Ihre Strategien und wo es Ihnen gut gelungen ist, diese einzusetzen. Das ist ein wertvoller Schatz, wenn Sie dann doch einmal in Stress geraten!

Eine Anregung aus 
 Yin- und Yang-Sicht

Da ich ja auch Qigong- und Meditationslehrer bin, möchte ich Ihnen eine weitere Anregung geben. Im Qigong und auch im Tai Chi Chuan übt man so, dass man nach dem Training erholter ist als vor dem Training. Nach außen orientierte Bewegungen (yang) wechseln sich mit nach innen gerichteten Bewegungen (yin) ab oder werden sogar gleichzeitig gemacht. Das ist ein großer Widerspruch zu üblicher westlicher Trainingsmethode.

Angenommen, das wäre auch im Job möglich: Welche Aufgaben könnte man so vollziehen, dass Sie nicht nur ein Ergebnis liefern sondern Ihnen auch gleich wieder Kraft bringen? Oder provokativ gefragt: Wo darf die Arbeit leicht sein und Spaß machen?

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