Resilienz – Du bist nicht allein

 In Allgemein, Resilienz

Etwas Elementares, das wir Menschen uns immer wieder wünschen, ist Zugehörigkeit. Wir wollen Teil einer Gruppe sein, in der wir uns angenommen und aufgehoben fühlen. Doch kann man das “machen”?

Mann kann. Und Frau auch. Doch bevor wir dahin kommen, hier ein paar Zitate, die Sie sicherlich schon in der ein oder anderen Variante gehört haben:

  • Alles muss man selbst machen.
  • Das mache ich lieber alleine, dann weiß ich, was ich habe.
  • Wenn ich es selbst mache, dann schulde ich keinem etwas.
  • Ich traue mich da nicht zu fragen.
  • Was soll ich schon anderen geben können.

Meist frage ich bei solchen Aussagen nach: “Wirklich?” Sie merken schon, hier liegt ein wertvoller Schlüssel in uns.

Gemeinschaft – so wäre es doch gut

Basteln wir uns für die Resilienz-Fähigkeit “Netzwerkorientierung” doch einfach mal ein ideales Bild einer Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft kann die Familie sein, genauso wie ein Sportverein, die Arbeit in einem Ehrenamt, ein fester Freundeskreis usw. Eben die Basis für das Gefühl, zugehörig zu sein.

Mir selbst wären dabei diese Regeln wichtig:

  • Wenn ich etwas in die Gemeinschaft gebe (Zeit, Geld, Arbeit, …), dann gebe ich des Gebens Willen.
  • Wenn ich etwas aus der Gemeinschaft erhalte, reicht ein Dankeschön. Ich habe dadurch keine “Schulden”, auch keine moralischen.
  • Jeder darf um Hilfe bitten.
  • Hilfe darf auch ohne Grund abgelehnt werden.
  • Um Enttäuschungen zu vermeiden, sprechen Gebende und Nehmende vorher über Ihre Erwartungen.
  • Kritik darf geäußert werden in Form von Impulsen für die eigene Selbstreflexion.
  • Jeder ist in seiner Persönlichkeit einzigartig und wertvoll.
Resilienzhaus6

Hier fehlen bestimmt noch ein paar Regeln und Empfehlungen. Doch es ist ein guter Anfang. Denn das Schöne daran: Es liegt einzig und alleine an mir selbst, damit anzufangen und diese Regeln zu leben und vielleicht auch im Kreis der eigenen Gruppe zu diskutieren.

Also wenden wir diese Regeln auf meine oben erwähnten Zitate an:
Ich muss nicht alles selbst machen. Ich darf um Hilfe bitten. Für den Fall, dass ich dann ein Ergebnis erhalte, dass nicht meinen Erwartungen entspricht, waren entweder meine Erwartungen zu anders oder zu hoch, oder ich nehme das als Rückmeldung, ob nicht z.B. etwas weniger Perfektionismus ausreichend wäre.
Schuld(en) trage ich keine mehr, wenn ich jemanden um Hilfe bitte. Jeder hat die Möglichkeit, nein zu sagen. Außerdem darf ich fragen, ich bin deshalb weder ein schlechterer noch ein besserer Mensch.
Außerdem: Wer weiß schon, was ich wertvolles habe oder kann, wofür andere wirklich dankbar sind, wenn ich das teilen kann? Manchmal ist es vielleicht auch nur ein empathisches Hinhören, was jemand erzählen möchte.

Netzwerke sind ein Prozess

Nun ist es so, dass das persönliche Netzwerk, also die Gesamtheit aller menschlichen Verbindungen, die Sie pflegen, quasi immer in Bewegung ist. Manche Menschen stehen Ihnen vielleicht schon sehr lange sehr nahe. Andere sind gute Bekannte oder Freunde von Freunden, die Sie einmal im Jahr auf der Geburtstagsfeier eines Freundes treffen. Einige entfernen sich und sind irgendwann weg. Andere kommen dafür. Einige bleiben “entfernte” Bekannte, andere werden richtig gute Freunde. Alles, was in diesem Netzwerk passiert, darf auch passieren.

Die Fragen, die Sie sich mit diesem Hintergrund stellen dürfen, sind:

  • Was machen andere, das ich sie mag?
  • Was mache ich, das andere mich mögen?
  • Wieviel Zeit verbringe ich mit den Menschen, die mir gut tun?
  • Wieviel Energie setze ich in Menschen, die mir nicht gut tun?
  • Wer steht zu mir, obwohl er mich kritisiert? Wie schafft er/sie es, mich dabei nicht zu entmutigen?

Wie kann das Tim helfen?

Zu Beginn der Resilienz-Blogreihe habe ich die Geschichte von Tim erzählt. Tim ist dort in eine Situation geraten, in der er derjenige ist, der eher Hilfe braucht als Hilfe geben kann. So könnte er nicht nur Kollegen bitten, ihn zu unterstützen, sondern auch in seinen anderen Rollen. Manchmal sind es auch nur Kleinigkeiten: Wer könnte etwas im Haushalt helfen? Wer ggf. in einem Verein, in dem Tim aktiv ist? Wer kann sich einfach mal seine Sorgen anhören, falls er mal einen Ansprechpartner braucht, ohne dass daraus eine Aktivität entsteht? Wer kann etwas organisieren, und sei es nur eine Wanderung am Wochenende, damit Tim den Alltragstrott so leicht wie möglich mal vergessen kann?

Je besser Tims bisheriges Netzwerk war, desto leichter kann er Unterstützung erhalten.

Einen Gedanken noch zum Abschluss: Wenn es zeitlich eng und der Terminkalender immer voller wird, wen versetzen sie dann eher: Die guten Freunde, weil die ihnen das vielleicht leichter verzeihen, oder die eher entfernteren Freunde? Wer von beiden ist wichtiger für Sie?

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