Stress als Chance!?

 In Stressprävention

(Vorneweg: Ich verspreche, dieser Blogbeitrag hier endet positiver als er anfängt!)

„Bitte was? Stress als Chance? Der hat sie doch nicht alle…“

Das ist die Reaktion, die ich öfter höre, wenn ich sage, dass Stress durchaus eine feine Sache sein kann. Natürlich ist Stress an sich gar nicht so fein, schließlich sind stressbedingte Krankheiten und Arbeitsausfälle ein teures „Vergnügen“, dass wir uns in unserer Gesellschaft leisten: Die Stressstudie der Techniker Krankenkasse 2016 berichtet von durchschnittlich 2,5 Fehltagen pro Person pro Jahr wegen psychischer Beschwerden, zu denen auch Belastungsstörungen zählen. Die müssen natürlich nicht notwendigerweise auf Stress zurückzuführen sein. Doch gleichzeitig gibt es ja andere Ausfälle, und manchmal ist es nur eine fette Erkältung als erstes Symptom eines durch Stress geschwächten Immunsystems. An die gravierenden Probleme mit Bandscheiben, Herz/Kreislauf oder Verdauung als Ergebnis eines erhöhten Stresslevels möchte ich am liebsten gar nicht denken.

Niemand kann genau sagen, wie viele Fehltage durch Stress pro Kopf und Jahr entstehen. Tun wir einfach so, als wären diese 2,5 Tage der Durchschnitt*. Pro Tag kostet ein Mitarbeiter gut und gerne 500 bis 1.000 Euro an Gesamtkosten, je nach Verdienst des Mitarbeiters noch mehr. Die Folgen von Stress verursachen also mehr als 1.250 Euro pro Jahr und Mitarbeiter.

Das ist die Sicht des Arbeitgebers. Für den Arbeitnehmer sieht es kaum anders aus: Er ist gezwungen, sich mit seiner Gesundheit auseinanderzusetzen. Im einfachsten Fall ist das einfach nur nervig. In schlimmeren Fällen gibt sein Körper durchaus schmerzhafte Rückmeldungen, die man seinem ärgsten Feind nicht schenken möchte.

„Und dann kommt der Bartel und will mir was von „Chance im Stress“ erzählen?“

Ja, will ich. Erstens habe ich versprochen, dass dieser Blogartikel positiv wird. Zweitens gibt es diese Chance tatsächlich. Doch dazu verlassen wir die gesamtheitliche Sicht und wenden uns dem Einzelnen zu. Denken Sie doch einfach mal an einen Kollegen oder Freund, der gerade Stress hat. Welche Tipps möchten Sie ihm geben? (Oder ihr? Frauen sind natürlich genauso angesprochen.)

Ganz oft höre ich da:

  • „Nimm dir das doch nicht so zu Herzen.“
  • „Dann mach doch nicht so viel!“
  • „Sprich doch mal mit XY, dass er dir nicht so viele Aufgaben gibt!“
  • „Dann mach doch etwas anderes.“
  • Manchmal wird auch eine Art Stempel verabreicht: „Selbst schuld.“

Immerhin zeigt das eine Sache: Es scheint Wege zu geben, mit dem Stress anders umgehen zu können.

Drehen wir den Spieß doch einfach mal herum: Wie oft haben Sie selbst schon einmal Tipps von Freunden oder Kollegen für weniger Stress erhalten? Wieviele davon haben gewirkt? Spätestens wenn der Satz kommt: „Das sagst du so einfach!“ ist klar, ganz so leicht ist es nicht.

Halten wir fest:

Jeder Mensch braucht und hat für seinen Stress auch seine eigene, individuelle Strategie.

Und gleichzeitig kommen wir zu einem Punkt, der mir oft als Fluch und Segen genannt wird und auch in dem Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ Ausdruck findet. Dies ist insbesondere dann ein befremdlicher Gedanke, wenn die Umstände schuld an der ganzen Misere sind. Ich glaube, es ist eine der bittersten Lektionen, die das Stressmanagement mit sich bringt: Streichen Sie bitte das Wort „schuld“. Dann steht da: Die Umstände an der Misere sind. Genau so ist es: sie sind da, ganz oft nicht einmal böswillig, sie sind einfach da. Beispiele gefällig? Pflegebedürftige Eltern, kranke Kinder, Waschmaschine kaputt, schlecht gelaunte Menschen in der U-Bahn, schlimme Diagnose vom Arzt erhalten, usw.

Ja, das ärgert und nervt. Nein, das braucht niemand. Aber es ist da. Ich gestatte meinen Kunden in diesen Situationen, sich einmal (ich bitte um Verzeihung für den Ausdruck) „auskotzen“ zu dürfen. Manchmal muss das erst einmal raus – im wahrsten Sinne des Wortes, bevor die Zeit reif wird, neue Gedanken zu erlauben. Erst mit der Akzeptanz ist der Boden für Neues bereitet. Daraus können wir also ableiten:

Eigenverantwortung heißt nicht, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Eigenverantwortung heißt, für sich selbst zu sorgen, ohne dabei andere zu vernachlässigen.

Bitte denken Sie daran, Veränderungen im Verhalten oder das, was man auch Persönlichkeitsentwicklung nennt, darf auch in kleinen Schritten passieren!

Ich fasse mal kurz zusammen: Sie nehmen, und sei es nur in einem ersten kleinen Aspekt, Ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand, und nutzen dabei die Strategie und die Ideen, die genau zu Ihnen passen und, auch das ist wichtig, die all das berücksichtigt und wertschätzt, was Sie bisher auch schon getan haben. Und plötzlich sind sie da, die vielen Möglichkeiten wie die Türen, die Sie für sich wählen dürfen. Hinter jeder steckt eine Welt voller Entdeckungen und Möglichkeiten.

tueren-quer

Also: Kommen wir zu dem Punkt meiner Behauptung, dass im Stress eine Chance liegt.

Die Antwort ist einfach:

Wenn Sie dort anfangen, etwas für sich zu verändern, wo gerade Ihr Stress liegt, dann sind Sie effizient und effektiv unterwegs für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden.

Womit würden Sie anfangen, etwas zu verbessern?

Ich habe da eine Idee. Die finden Sie hier auf meiner Seite. Schauen Sie doch einmal rein!

Bleiben Sie am Ball, Sie sind es sich wert!

Herzliche Grüße
Ihr Sven Bartel

*) Sollten Sie irgendwo eine bessere Berechnung haben, freue ich mich auf einen Hinweis. Stressbedingte Ausfälle sind jedoch schwer zu ermitteln, weil es zum einen nicht jedem Arzt bewusst gemeldet wird und weil es natürlich auch nicht immer einen direkten Zusammenhang gibt. Ich halte diese 2,5 Tage durchaus für realistisch.

Recommended Posts