Entspannen können ist ein Softskill

 In Stressprävention

Viele Menschen werten Entspannungstechniken ab als “esoterischen Kram” oder zumindest als wirkungslos gegen Stress. “Das ändert ja nichts an der Situation”, ist das, was ich hier und da als Argument höre. Was ist also dran an Entspannungstrainings?

Der Dreisprung des Stresses

Bevor wir überlegen, ob Entspannungstechniken helfen können, möchte ich erst einmal erläutern, wie Stress funktioniert. Ich nenne es gerne den “Dreisprung” des Stresses, denn er findet in (maximal) drei Schritten statt:

  • Stressor von außen

    Etwas löst den Stress von außen aus. Damit ist gemeint, dass etwas in der Umgebung passiert, mit oder ohne Absicht, das z.B. als "Gefahr" interpretiert wird. Bereits das ist immer die eigene Interpretation, andere Menschen würden auf diesen äußeren Reiz vermutlich anders reagieren.

  • Stressverstärker

    Die eigene Gedankenwelt verstärkt den Stress zusätzlich. Das kann z.B. der eigene Qualitätsanspruch sein oder der innere Wunsch, etwas besonders schnell zu erledigen. Auch nicht "Nein" sagen zu können, gehört in diese Kategorie.

  • Stressreaktion

    Der Körper reagiert akut auf den Stress. Die Reaktionen können dabei sehr unterschiedlich aussehen, häufig ist das zu erkennen an Anspannungen der Muskeln, flacherer und schnellerer Atmung, schnellerer Puls etc.

Schritt 1, der externe Stressor, und Schritt 2, der Stressverstärker, können sowohl gemeinsam auftreten als auch nur einer von beiden. Die Reaktion des Körpers ist auf jeden Fall da. (Mehr zur Stressreaktion in meinem Blogartikel von letzter Woche.)

Das schöne an der Stressprävention bzw. am Stressmanagement ist:

Stress lässt sich in allen drei Schritten wirksam be- bzw. verarbeiten: Äußere Stressoren (1) können vermieden werden, die eigene Gedankenwelt (2) kann hinterfragt werden und die Stressreaktion (3) kann gemildert werden.

Was können Sie wo machen?

Gehen wir es der Reihe nach durch:

  1. Besonders an äußeren Stressoren kann man nicht immer etwas ändern, vieles ist einfach so und muss erst einmal als gegeben hingenommen oder besser noch akzeptiert werden. Das beste Beispiel ist der Stau auf der Autobahn.
    Manchmal können Sie aber auch Einfluss nehmen und, ja, es gibt auch Fälle da können Sie sogar etwas derart ändern, dass der Stress gar nicht erst aufkommt.
  2. Die innere Gedankenwelt, also die inneren Stressoren, können Sie jederzeit hinterfragen. Die einfachste Methode ist es, jemanden zu fragen, der in der gleichen Stress-Situation gar keinen Stress erlebt: Irgendwie denkt dieser Mensch ja anders darüber. Sie üben dann, sich davon eine Scheibe abzuschneiden. Dazu werde ich aber einen eigenen Blogbeitrag noch schreiben.
  3. Und bei den Körperreaktionen? Auch da können Sie etwas machen:

Die Kunst der Entspannung

Stellen Sie sich vor, Sie lernen etwas Neues und eignen sich eine Fähigkeit an, z.B. lernen Sie ein Instrument. Am Anfang klingt das noch etwas ungelenk, es gibt den ein oder anderen falschen Ton und den Rhythmus halten Sie auch noch nicht so ein, wie Sie es gerne hätten. Doch je mehr Sie üben, desto leichter geht es. Vielleicht fragen Sie sich sogar irgendwann kopfschüttelnd, warum Sie jemals so schlecht gespielt haben, es geht doch ganz einfach.

Mit der Entspannung ist es genau das gleiche: Am Anfang ist es mühevoll, sich auf “Knopfdruck” zu entspannen. Doch mit der Zeit reicht u.U. das Betreten des Kursraumes, in dem Sie das Entspannen lernen, damit Sie ruhiger werden.

Sehr bildhaft gesprochen heißt das für Ihre Stress-Situation, dass der Stress wirkt und die Wirkung danach langsam nachlässt. Je besser Sie nun gelernt haben, wieder zu entspannen, desto schneller sind Sie wieder im “Normal”-Modus. Kommen Sie aber nicht in dem Normal-Modus an und der Stress bleibt, hat Ihr Körper einfach mehr an Stress zu verarbeiten.

Entspannen zu können löst zwar nicht die akute Stress-Situation, Sie lernen jedoch, den Stress schneller und besser zu verarbeiten.

Wie entspannt man am besten?

So individuell der Stress ist, so individuell ist auch die Antwort auf diese Frage. Jeder Mensch findet ganz sicher etwas, dass ihm hilft. Es gibt eher westlich geprägte Methoden, die frei sind von einer Weltanschauung. Dazu gehören z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsbasierte Stress-Reduktion (MBSR), usw.

In den eher östlichen Methoden steht in der Regel ein bestimmtes (auch medizinisches) Weltbild dahinter. Dazu gehören Qigong und Tai Chi Chuan aus der chinesischen Tradition oder Yoga aus der indischen Tradition. Mir persönlich gefallen diese Methoden etwas besser, sie sind weniger “zweckgebunden” sondern regulierend.

Mein Tipp: Besuchen Sie verschiedene Kurse und finden Sie vor allem die Lehrkraft, von der Sie gut lernen können!

Es gibt aber noch eine Methode, die ich Ihnen ans Herz legen möchte:

Genießen Sie!

Gönnen Sie sich jeden Tag fünf Minuten (oder mehr), in denen Sie ganz bewusst etwas genießen. Das kann wirklich alles mögliche sein: Die Sonne im Gesicht, ein gutes Buch, einfach nur da sitzen und lächeln, oder auch etwas leckeres zu Essen oder Trinken.

Vorfreude hilft – freuen Sie sich schon morgens darauf, dass Sie abends ein wenig Zeit nur für sich selbst haben.

Da das ein wichtiger Teil der Stress-Prävention ist, ist es natürlich auch ein Modul im balancecoaching-Onlinekurs. Eine meiner Lieblingslektionen ist in diesem Modul: Da gibt es nämlich Schokolade :-).

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