Wunder der Kommunikation

 In Stressprävention

Wenn man sich mit Kommunikation beschäftigt, wundert man sich manchmal, dass sie überhaupt funktioniert. Warum das so ist und was Sie tun können, um weniger Stress beim Kommunizieren zu haben, berichte ich in diesem Blog-Beitrag.

Ich sitze an meinem Rechner und schaue mir bei einem Internet-Kartendienst eine Route an. Da sagt ein Freund neben mir: “Mach mal groß!” Schon rollt mein Finger über das Mausrad und ich sehe nur noch einen Ausschnitt der Route, dafür mit mehr Details. “Nein, groß!” Sein Tonfall wird schon lauter, wen wundert es, denn es ist jedes Mal das gleiche: Eine elektronische Karte “groß” machen, heißt für mich, hineinzuzoomen. Für ihn heißt es genau das Gegenteil: Er will mehr vom Ganzen sehen, also herauszoomen.

An diesem Beispiel kann man wunderbar zeigen, dass Kommunikation Stress verursachen kann.

Willkommen in meiner Welt

Schauen wir uns das Bild hier kurz an: Wir sehen darauf eine Person, die spricht und eine die hört. Dahinter sehen einen grünen Bereich und einen gelben, die sich zum großen Teil überschneiden, aber eben nicht komplett.

Wenn also mein Freund zu mir sagt: “Zoom mal die Karte groß”, dann ist er ganz in seiner Welt (der grüne Bereich). Allerdings ist mein Bereich der gelbe. Zur Schnittmenge gehört natürlich sehr viel: z.B. dass wir darüber einig sind, deutsch miteinander zu sprechen, oder auch, dass “zoomen” bedeutet, den Ausschnitt zu verändern.

Doch in meiner Welt, bedeutet “groß zoomen” etwas anderes als in seiner. Und schon ist das Missverständnis da und wo ein Missverständnis ist, ist es auch nicht weit bis zum Stress. Es nervt ja, wenn der andere einfach nicht kapiert was man möchte, oder?

Zwei Dinge möchte ich Ihnen in diesem Artikel mit auf den Weg geben. Das erste ist:

Der Empfänger bestimmt den Inhalt einer Nachricht, nicht der Sender.

Um das ganz deutlich zu machen, schicke ich Sie jetzt mental in ein asiatisches Urlaubsland, dessen Landessprache Sie nicht sprechen. Sie setzen sich dort gemütlich in ein Kaffee und hätten gerne eine Tasse Tee, um sie nach allen Regeln der Kunst (siehe Blogbeitrag von letzter Woche) zu genießen. Sie wollen vom Kellner wissen, welche Teesorten es gibt, Sie können die Karte nämlich auch nicht lesen. Doch der Kellner schaut Sie nur fragend an, so sehr Sie sich bemühen.

Es gibt dann sogar Menschen, die weitersprechen: sie reden erst langsamer, manche sogar lauter, als würde das das Problem lösen. Doch nichts dergleichen passiert, ihre beiden Welten (der grüne und der gelbe Bereich im Bild oben), sind einfach viel zu unterschiedlich. Die Kommunikation scheitert bis Sie, z.B. mit Hilfe eines Übersetzungs-Automaten auf dem Smartphone, die Kommunikations-Welt des anderen erreichen.

Stress vermeiden in der Kommunikation

Weil sich das mit den unterschiedlichen Welten selten adhoc ändern lässt, hat das folgende Konsequenzen:

  • Als Sender einer Nachricht (also als Sprechender): Gehen Sie auf die Welt des anderen ein, wenn es Ihnen wichtig ist, dass er Sie verstehen soll. Fragen Sie ggf. auch nach: “Was hast du gerade verstanden, was ich sagte?”

Wenn Sie wirklich entstressen möchten, dann können Sie aber noch mehr machen:

  • Als Empfänger einer Nachricht (also als Hörender): Denken Sie daran, dass der andere aus einer anderen “Welt” heraus spricht. Was Sie also hören, muss nicht das sein, was der andere sagen wollte.
    Fragen Sie auch hier nach: “Ich habe gerade das … von dir verstanden. Ist es das, was du mir sagen wolltest?”

Das wird gerne auch in der Kurzformel: “Ich höre das, was du nicht sagst” umschrieben.

Wort und Sinn verstehen

Worte zu verstehen ist ja eines, also in meinem Beispiel oben, ist es die korrekte Interpretation von “groß zoomen”.

Doch Stress in der Kommunikation taucht auch an einer anderen Stelle auf, nämlich dann, wenn das, was der andere sagt, Sie nervt.

Beispiel: Ihr Projektmanager kommt mit Arbeit zu Ihnen und sagt: “Machen Sie das bitte bis heute Abend fertig.” Je nachdem, wie er das sagt und welche Erfahrungen Sie mit diesem Kollegen haben, hören Sie vielleicht nicht nur die reine Information: “Hier ist Arbeit, die heute Abend fertig sein soll.” Sie hören womöglich den Appell: “Machen Sie das!” und, das können viele Menschen auch sehr gut hören: “Du hast zu tun, was ich dir sage!”

Da schwingt also ein Vorwurf mit! Ob gewollt oder ungewollt spielt keine Rolle. Und wer einen Vorwurf wahrnimmt, geht in der Regel in eine Abwehrhaltung. Schon ist der Konflikt und damit der Stress da.

Jetzt haben Sie aber gerade gelernt, dass Sie auch für das Hören Verantwortung tragen dürfen, zumindest dann, wenn Sie selbstbestimmt mit Ihrem Stress umgehen wollen. Auch das geht, es gibt nämlich noch einen vierten Teil in der erhaltenen Nachricht und das ist die Selbstkundgabe oder auch die “Ich-Botschaft” des Nachrichten-Senders. Also könnte der Projektmanager in dem Beispiel ja auch meinen: “Ich brauche deine Hilfe.” Und das klingt doch gleich ganz anders als der Vorwurf.

Sie entscheiden also, was genau Sie hören und denken Sie bitte daran:

Hinter jeder Aussage, auch wenn noch so viel Vorwurf darin stecken mag, steckt immer auch ein Bedürfnis.

Das war das zweite, das ich Ihnen in diesem Artikel mitgeben wollte.

Ich gebe zu, wenn man sich diese Denkweise zu eigen macht, braucht man u.U. etwas Zeit und oft auch Abstand zur konkreten Situation. Doch je mehr Empathie Sie entwickeln, das zu hören, was dem anderen wichtig ist, desto schneller können Sie besser reagieren. Zum Üben ist es übrigens wertvoll, auch nachzufragen – auch im Nachhinein: “Wozu ist dir das wichtig?” Je mehr Verständnis da ist, desto weniger Stress entsteht.

Übung macht den Meister. Und wenn Sie neben den anderen vielen Inhalten des balancecoaching-Programms auch das üben wollen, dann ist Ihre Buchung nur noch einen Klick entfernt.

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