Stress-Do-it-yourself

 In Stressprävention

Wenn ich Menschen frage, was bei Ihnen Stress auslöst, erhalte ich oft Antworten wie: “der Herr X..”, “die Frau Y” oder “wenn Z passiert”. Diese Antworten haben gemein, dass es alles äußere Stressoren sind, sie liegen außerhalb des Gestressten. Dass Menschen jedoch auch selbst zum eigenen Stress beitragen können (und dass das einmal sinnvoll war), möchte ich Ihnen heute erklären.

  • “Trödel nicht so rum!”
  • “Jetzt mach schon!”
  • “Du bist immer der Letzte.”
  • “Bist du immer noch nicht fertig?”

Manch ein Leser dieses Blogs, vielleicht auch Sie, werden jetzt nicken, weil Sie solche Sätze als Kind vielleicht öfter gehört haben. Irgendwann war dann aber auch die Lektion gelernt: Nur wenn’s schnell geht, ist es richtig. Vielleicht haben Sie aber auch anderes gehört und deshalb auch anderes in Ihr Leben integriert.

Was da passiert ist immer das Gleiche: Ein bestimmtes Verhalten – auch das eines Kindes – erzeugt ein bestimmtes Feedback. Dieses Feedback kann wie im obigen Beispiel sein, dass man sich gefälligst beeilen soll; und so lernen Sie, dass Schnelligkeit etwas Gutes ist. Andere wiederum lernen, dass Perfektionismus gut ist. Wieder andere, dass brav sein nur wirklich zählt.

Was auch immer es ist, was Sie gelernt haben: Es hat Ihnen einmal auf eine Art und Weise geholfen, die Ihnen (meist) garantiert hat, gemocht zu werden!

Viele Jahre später, der Kontext ist jetzt ein anderer, denn Sie sind ein selbstständiger, erwachsener Mensch geworden, ist das aber nicht mehr so. Das Feedback kommt nicht mehr von den Eltern und die Situationen sind andere: Vielleicht steht Ihnen ein Mensch gegenüber, dem es besonders wichtig ist, alles sehr gründlich zu machen. Und schon ist der Boden für einen Konflikt und damit zusätzlichen Stress bereitet.

Erkenntnis ist der erste Schritt

Wenn Sie für sich erkennen, dass Ihnen ein bestimmtes Verhalten an Ihnen oder an anderen besonders wichtig ist, und das Ausbleiben dieses Verhaltens für Stress sorgt, dann erleben Sie etwas, das man einen “inneren Stressoren” nennt. Ich nenne das gerne die “Profiliga des Stresses”: im schlimmsten Fall brauchen Sie nämlich nicht einmal einen Auslöser von außen, es genügt die Kraft der eigenen Gedanken, um in Stress zu geraten.

Werden Sie also jetzt aktiv, hier ist Ihr Stress-Schlüssel:

Erinnern Sie sich an eine stressige Situation, in der Sie sich so etwas dachten wie: “Wenn man das jetzt so machen würde, wie ich es immer mache, dann wäre es gut.” Oder: “Wenn ich das jetzt so machen könnte, wie ich es will, dann wäre es gut.”

Dann stellen Sie sich vor, genau diese Szene wurde verfilmt, und Sie sitzen jetzt im Kino und würden sich diese Situation mit Abstand anschauen. Und jemand stellt Ihnen dann die Frage: “Muss man das wirklich so machen, wie du dir bis jetzt sicher warst, es wäre der einzig wahre Weg?”

Und so ganz von außen betrachtet könnten Sie vielleicht tief durchatmen und diese gewohnte Regel fallen lassen. Oder zumindest soweit zurückdrehen, dass ein Nicht-100%-Erreichen keinen Stress mehr erzeugt. Wenigstens dieses eine Mal. Tut Ihnen das gut? Dann haben Sie Ihren Stress-Schlüssel gerade in die richtige Richtung gedreht.

Die Art und Weise, wie Sie über sich und die Welt denken (“so ist es richtig!”), kann Stress erzeugen.
Das zu hinterfragen und ggf. neu zu sehen, hilft Ihnen, inneren Stress zu reduzieren.

Es geht nicht um Schuld sondern um Menschsein

Gerade in diesem Kapitel der Stress-Prävention kann ich gar nicht oft genug betonen, dass es dabei nicht um Schuld geht. Dass manch ein gelerntes Weltbild als Erwachsener nicht so förderlich ist, hat uns doch in bestimmten Situationen sehr gut geholfen. Und es kann durchaus sein, dass genau dieses Verhalten auch immer noch irgendwo sinnvoll ist: Stellen Sie sich einen Uhrmacher ohne Hang zur Genauigkeit vor, es wäre vermutlich ein schlechter Uhrmacher. Und deshalb nenne ich das “Menschwerdung”. Alles, was Sie geprägt hat, wird irgendwo genau die richtige Kompetenz sein! Aber eben nicht als universelle Kraft für alle Gelegenheiten.

In der Stressprävention, so wie Sie sie auch im balancecoaching erfahren, können Sie sich eine gute Portion Stress in Zukunft also selbst “erlassen”.

Denken Sie aber noch einen kleinen Schritt weiter: Wenn Sie sich nicht nur sich selbst erlauben, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, sondern auch anderen Menschen gestatten können, dass diese mit anderen Gedanken und anderen “inneren Regeln” groß wurden, dann entziehen Sie vielen Konflikten die Nahrung. Doch der erste Schritt ist immer der, den Sie selbst gehen.

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