Wer bin ich / wer bist du?

 In Stressprävention

Einmal sagte ich zu einer Freundin, dass ich ihr so dankbar bin, weil sie mir vor 20 Jahren gezeigt hatte, selbstständig zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sah mich vollkommen verdutzt an, weil sie der Meinung war, dass sie das zu der Zeit noch gar nicht hatte. Wie kann so etwas passieren?

Ich sehe dich durch meine Brille

Wenn wir andere Menschen wahrnehmen, was sie und wie sie es machen, dann kann uns das ansprechen, egal sein oder – wir sind ja beim Thema Stressprävention – aufregen und nerven. In meiner Blogreihe können Sie dazu bereits verschiedene Möglichkeiten nachlesen: Werte können verletzt worden sein, die Kommunikation hat nicht funktioniert oder der Mensch gegenüber agiert prinzipiell anders, hat also andere innere Antreiber. Doch es gibt noch eine Möglichkeit mehr.

Das Beispiel oben von meiner Bekannten zeigt es sehr schön: In meiner “Welt”, also mit allem was ich selbst an Vorkenntnissen, Erfahrungen, Überzeugungen usw. mitbringe, nehme ich vor allem das war, das etwas mit mir zu tun hat. Es ist quasi so, als hätte jeder Mensch eine Brille auf, deren Filter nur das durchlässt, was mit ihm selbst irgendwie eine Resonanz hat, positiv oder negativ.

Baruch de Spinoza (1632 – 1677) soll einmal gesagt haben:

Das, was Paul über den Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.

Wenn Sie also ganz angetan sind von dem, was ein anderer macht und wie er es macht, dann lässt das etwas in Ihnen anklingen, was Sie selbst bereits haben; manchmal leben Sie diese Anteile voll und ganz und manchmal sind sie (noch) verborgen. So ging es mir mit meiner Freundin.

Umgekehrt, und dort meldet sich der Stress, gibt es Dinge, die an anderen Menschen als total störend empfunden werden. Sie können diese Eigenschaften unter anderem daran erkennen, dass Sie so etwas sagen wollen wie: “Das ist mal wieder typisch XY.” Dann fragen Sie sich am besten auch selbst, welche Rolle diese störende Eigenschaft in Ihrem eigenen Leben spiel. Was wird da bei Ihnen getriggert? Macht der andere etwas, was Sie eigentlich auch selbst gerne machen würden, sich aber nicht erlauben wollen, können oder dürfen? Was wäre, wenn Sie das auch machen würden?

Diese Art der Betrachtung nennt man Projektion.

Projektion ist das Wahrnehmen anderer Personen durch die eigene innere Welt.
Diese Wahrnehmung ist deshalb subjektiv und gibt Ihnen Hinweise zu Ihrer eigenen Identität. 

Die Auseinandersetzung mit Projektion ist daher Forschungsarbeit an der eigenen Identität: Wer bin ich? Was macht mich aus? Wie definiere ich mich?

Mit jedem Stück, dass Sie über sich selbst kennenlernen, wird es Ihnen auch immer leichter fallen, anzuerkennen, dass andere Menschen anders sind und eben auch anders sein dürfen. Je besser es Ihnen gelingt, zwischen Ihnen selbst und anderen zu unterscheiden und sich womöglich sogar über die Unterschiede freuen können, desto weniger stressig werden Sie andere erleben.

Aus diesen Überlegungen heraus entsteht etwas ganz Wunderbares: Sie ändern Stück für Stück Ihre Haltung gegenüber sich selbst und gegenüber anderen. Daraus entsteht etwas, das ich selbst als zwischenmenschliche Nähe und Respekt beschreiben würde, ja, vielleicht sogar etwas wie innerer Frieden.

Gleichzeitig, und das ist insbesondere allen gesagt, für die das wie Gefühlsduselei klingen könnte, bleibt alles bestehen, was Effizienz am Arbeitsplatz ausmacht. Im Gegenteil: Die Arbeit wird leichter, weil Sie Konflikte vermeiden, sachlicher und fokussierter arbeiten und die Menschen gesünder bleiben, weil Stress weniger Chance hat, negativ zu wirken.

Ich lade Sie ein, mich anzurufen, wenn Sie anderer Meinung sind oder Anderes erlebt haben.

Thematisch möchte ich zu diesem Modul der balancecoaching Stressprävention noch ergänzen, dass darin neben dem Thema der Projektion auch das Thema der (Lebens-)Rollen behandelt wird. Auch hier kann Klarheit helfen, Stress zu vermeiden. Im Kurs findet das natürlich genügend Raum! Zum Thema “Rollen und Rollenkonflikte” werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einen eigenen Artikel schreiben.

Hiermit endet meine Blogreihe zur Stressprävention mit balancecoaching. Sie sind eingeladen, Ihr Leben zu verbessern und zu entstressen. Fangen Sie am besten direkt an.

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