Erkenntnisse durch Platztausch

 In Mediation

Nicht immer sind beide oder alle Beteiligte eines Konflikts bereit, über den Konflikt zu sprechen und ihn lösen zu wollen. Oder es erscheint Ihnen als “zu große Lösung”, eine Mediation vorzuschlagen. Gleichzeitig belastet Sie der Konflikt. Gibt es dafür noch andere Möglichkeiten?

Unter Mediation verstehen viele Menschen das Format, in dem ein Mediator mit den streitenden Parteien an einem Tisch sitzt und den Konflikt löst. Doch das ist gar nicht der einzige Weg, es gibt noch mehr Möglichkeiten, von denen ich Ihnen heute einen vorstellen möchte, die sogenannte:

Ein-Parteien-Mediation

Es gibt gute Gründe, eine “Standard”-Mediation nicht bzw. erst einmal nicht anzugehen:

  • Sie sind selbst noch in der Orientierungsphase, wie sich die gesamte Konfliktsituation entwickeln soll.
  • Sie sind nur periphär von einem Konflikt betroffen, die Hauptbeteiligten sind andere.
  • Es gab bereits Versuche zur Streitbeilegung, die jedoch nicht fruchteten, Sie möchten deshalb besonders vorsichtig agieren.
  • Sie wollen in einem Konflikt zunächst nur Klarheit für sich selbst erhalten.

Solche und ähnliche Wünsche sind es, bei denen Sie sich sehr wahrscheinlich dafür entscheiden, lieber alleine an dem Konflikt zu arbeiten. Möglicherweise wird zu einem späteren Zeitpunkt dann auch eine “normale” Mediation durchgeführt, und zwar dann, wenn es zu Ihrer Situation passt.

Kann man da überhaupt etwas machen, wenn nur ein Beteiligter des Konfliktes anwesend ist?

Um es kurz zu sagen: Ja.

Betrachten wir also Ihre Situation: Es gibt einen Konflikt um die Sache X. Und es gibt beteiligte Personen, die ich jetzt einfach mal A und B nennen möchte. Eine von den beiden sind Sie. Der Konflikt um X entsteht also, indem A etwas macht (oder unterlässt) und B darauf reagiert, indem auch B etwas macht (oder unterlässt). Und das auf die immer gleiche/ähnliche Art und Weise. Und Sie wollen daran etwas ändern.

Also geht es in einer Ein-Parteien-Mediation darum, herauszufinden, was Sie anderes tun könnten, was Sie verändern könnten oder künftig nicht mehr machen. Ein verändertes Verhalten, das ist sicher, wird zu neuen Reaktionen bei der anderen Partei führen.

Im einfachsten Fall, das hatte ich bereits in einem früheren Blogartikel geschrieben, genügt schon eine Frage wie z.B.: “Wofür ist dir das wichtig?”

Doch Sie können noch mehr über sich und den gesamten Konflikt herausfinden, und dabei hilft Ihnen ein “Platzwechsel”, den Sie gerne auch für sich im Stillen ausprobieren können: Stellen Sie dazu so viele Stühle wie Streit-Parteien auf und legen Sie fest, welcher Stuhl für welche Partei steht. Setzen Sie sich dann zuerst auf Ihren eigenen Stuhl: Was fühlen Sie? Was denken Sie über den Konflikt? Was denken Sie über sich? Und was über den anderen? Sprechen Sie es am besten laut aus; ein Aussprechen, auch ohne Zuhörer, hilft bereits, Gedanken klarer zu haben.

Dann kommt der Wechsel: Sie setzen sich auf den Stuhl des anderen. Gleichzeitig versetzen Sie sich in dessen Situation, so als wären Sie jetzt der oder die andere. Wieder stellen Sie sich die gleichen Fragen wie eben und beantworten Sie aus der Sicht desjenigen, auf dessen Stuhl Sie sitzen.

Das machen Sie ggf. auch auf den Stühlen, die für die anderen Streitenden stehen.

Und zum Abschluss stellen Sie sich außerhalb der Stühle hin und sagen sich laut, wie die Situation von außen betrachtet aussieht, so als würde man durch ein Fernrohr auf den Konflikt und seine Beteiligten schauen.

Zwei Dinge passieren bei dieser Übung in der Regel: Sie haben ein sehr gutes Gefühl, was den anderen in dem Streit bewegen könnte. Vielleicht haben Sie sogar jetzt schon Verständnis, dass die andere Partei ja gar nicht anders kann, als so zu reagieren! Außerdem können Sie für sich schon jetzt klarer sehen, was Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind, was Sie wirklich in dem Konflikt antriggert und können das evtl. sogar in einem nächsten Gespräch verbalisieren.

Meine Mediationsausbilderin, Anita von Hertel, hat speziell für dieses Setting sogar ein Format entwickelt, den Mediationskompass. Darin werden zusätzlich Reaktionsmöglichkeiten berücksichtigt. Auch dabei mit dem Ziel herauszufinden: Was ist das, was Ihnen besonders am Herzen liegt, und wie könnte das im Konsens mit der anderen Partei realisiert werden?

Ein Teil in der Mediation ist immer auch für die Klarheit der eigenen Wünsche und Bedürfnisse reserviert, vor allem dann, wenn negative Emotionen diese überlagern.

Wenn Sie also einen Konflikt haben, für den Sie neue Wege finden möchten, dann rufen Sie am besten kurz an. Gemeinsam finden wir den Weg, der für Sie der passende ist.

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